Helge Lindh möchte um Verzeihung bitten. Nicht, daß der -Bundestagsabgeordnete selbst etwas falsch gemacht hätte. Dafür aber seine weniger kultursensiblen Landsleute. Denn die unterstellen Moslems einfach, sich während des Ramadans nicht an die -Regeln zu halten. Höchste Zeit für eine Entschuldigung.

von Felix Krautkrämer

Öffentlich um Verzeihung zu bitten, gehört zu seltenen Gesten der großen Politik. Schließlich gesteht derjenige, der um Verzeihung bittet, damit ein, zumindest etwas nicht ganz richtig gemacht zu haben. Bundeskanzlerin Angela () bat kürzlich die Bürger für das Hin- und Her um einen möglichen Oster- um Verzeihung. Freilich folgte aus dieser Entschuldigung nicht wirklich etwas, dennoch waren sich zahlreiche gleich einig, daß die Kanzlerin damit Größe gezeigt habe.

Einer, der auch gern Größe zeigt – beziehungsweise zeigen möchte – ist der SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh. Zwar gehört Lindh eher zur dritten Reihe der sozialdemokratischen Vertreter im Berliner Parlamentsbetrieb, dafür bemüht er sich nach Kräften, über die die Scheinwerfer der Aufmerksamkeit ein bißchen auf sein Haupt zu richten, um so im Glanze ihrer Strahlen etwas heller zu leuchten.

Da kam dem Wuppertaler Abgeordneten der nun begonnene islamische Fastenmonat Ramadan gerade recht. Denn wo läßt sich die eigene Kultursensibilität besser bezeugen als bei der Verbeugung vor fremden Religionen und Bräuchen. Schon im vergangenen Jahr wünschte Lindh ganz ohne Hilfe von -Translator allen Moslems zuckersüß ein gesegnetes Zuckerfest. „Eidukum Mubārak! Wa kullu amin wa antum bicheir“, ließ er diese via Twitter wissen.

Nun bittet er die gleichen Adressaten ganz dem Beispiel der Kanzlerin folgend demütig um Verzeihung. Nicht etwa, daß er etwas falsch gemacht hätte. Gott Bewahre! Dafür aber ganz viele seiner weniger kultursensiblen Landsleute. Und dafür wolle er sich entschuldigen, daß gerade jetzt, mitten in der Pandemie, „so viele Musliminnen und Muslime, so viele Gemeinden unter Verdacht gestellt“ würden, sich nicht an die Corona-Regeln zu halten.

Die SPD hat den 44jährigen Meister der Kulturen Ende Februar erneut als Direktkandidat für die Bundestagswahl im Wahlkreis Wuppertal I nominiert. Sollte Lindh das als sicher geltende Mandat doch noch verpassen, muß ihm um seine berufliche allerdings nicht bange sein. Als wandelndes Verzeih-Mir-Telegramm stünde ihm eine glänzende Karriere bevor und sein Terminkalender wäre in kürzester Zeit ausgebucht. Denn eine Entschuldigung –vorgebracht mit einem solch treuen Hundeblick – kann auch die gekränkteste Seele nicht ablehnen.


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